Alkoholismus
© Photocase.deAlkoholisches Problem
Alkoholmissbrauch zählt zu den größten gesellschaftlichen Problemen in Deutschland. Jeder Deutsche konsumiert pro Jahr mehr als zehn Liter reinen Alkohols. Während bei den Erwachsenen der Trend vom Bier zum Wein geht, waren bei Jugendlichen zuletzt Mixgetränke aus Spirituosen und Limonade ("Alcopops") der Renner. Der Anteil dieser Getränke nimmt aber seit der letzten Getränkesteuerreform wieder ab.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland auf 1,5 Millionen. 1,9 Millionen sind durch Alkoholmissbrauch gefährdet. Insgesamt konsumieren 5,6 Millionen Deutsche Alkohol auf riskante Weise. Der Grat zwischen Genuss und Gefahr ist schmal: Schon wer täglich einen Liter Bier trinkt, riskiert alkoholabhängig zu werden oder alkoholbedingte Organschäden zu bekommen. 30 bis 40 Gramm reiner Alkohol für Männer und 20 Gramm täglich für Frauen gelten als Grenze für körperliche Folgeerkrankungen.
42.000 Todesfälle sind jährlich in Zusammenhang mit Alkohol zu beklagen. Jede sechste Kündigung in Deutschland erfolgt auf Grund von Alkoholmissbrauch. Rund ein Viertel aller Arbeitsunfälle sind auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Nicht zu vergessen sind Hunderte von Opfern im Straßenverkehr. Die wirtschaftlichen Kosten, die durch die Schäden des Alkoholkonsums verursacht werden, werden auf 40 Milliarden Euro pro Jahr gechätzt.
Dimensionen der Sucht
Alkohol ist neben dem Rauchen das am weitesten verbreitete Suchtmittel. Die Grenze, an der Genuss aufhört und Sucht anfängt, ist fließend. Mäßiger Alkoholgenuss muss nicht gleich zur Alkoholabhängigkeit führen. Man versucht die Abhängigkeit durch mehrere Faktoren zu umschreiben. Erst wenn drei oder mehr dieser Faktoren vorliegen, spricht man von Alkoholabhängigkeit:
Man unterscheidet zwischen unterschiedlichen Trinkgewohnheiten und Abhängigkeitsgraden:
Welche Konsequenzen hat ein erhöhter Alkohol-Konsum?
Übermäßiger Alkoholkonsum macht abhängig und schadet sowohl den Organen als auch der Seele. Krankheiten, zu deren Entstehung Alkohol beiträgt, sind:
Um Ihre Gesundheit nicht zu gefährden, sollten Sie Ihre persönlichen Grenzen in Bezug auf den Alkoholkonsum genau kennen und einhalten. In Schwangerschaft und Stillzeit ist Alkohol tabu. Auch sonst solllten Sie darauf achten, dass Sie nicht mehr trinken, als Ihnen gut tut. Das gilt ganz besonders in persönlichen Krisenzeiten. Alkohol treibt bestehende Probleme in Familie und Beruf auf die Spitze.
Alkohol enthemmt und steigert die Risikobereitschaft. Unter Alkoholeinfluss neigt jeder dazu, Situationen falsch einzuschätzen. Wenn Sie Alkohol getrunken haben, sollten Sie daher beispielsweise nicht Auto fahren - auch dann nicht, wenn Sie das Gefühl haben, dass es "nur ein Bier" war.
Wie können Sie den Alkoholkonsum kontrollieren?
Wenn Sie selbst den Eindruck haben, dass Ihnen ein gemäßigter Umgang mit Alkohol nicht so recht gelingen mag, können Ihnen diese Anregungen viellleicht helfen. Manche stellen auch eine Möglichkeit dar, für den Arzt seines Vertrauens eine zutreffende Beschreibung der aktuellen Situation zusammmenzustellen.
Diese Liste kann man jederzeit verlängern. Schreiben Sie alle Vorschläge auf, die Ihnen einfallen. Suchen Sie anschließend die Vorschläge heraus, die Ihnen wirklich brauchbar erscheinen und testen Sie sie. Nach einer Weile sollten Sie sich mit einem Freund oder Ihrem Partner zusammensetzen und über die gemachten Erfahrungen reden.
Wenn Sie es nicht alleine schaffen
Ihr Hausarzt oder eine Beratungsstelle helfen Ihnen, wenn Sie es nicht alleine schaffen. Sie müssen nur den Mut aufbringen, sich und anderen einzugestehen, dass Sie Ihren Alkoholkonsum nicht mehr unter Kontrolle haben.
Entzugserscheinungen
Schon die Entscheidung, weniger zu trinken, ist schwierig. Wenn Sie auch noch zitternde Hände, Schweißausbrüche, Unruhe oder andere Entzugserscheinungen bekommen, wenden Sie sich unbedingt an einen Arzt. Er wird mit Ihnen zusammen die Möglichkeiten zur Entgiftung (bis die körperlichen Entzugserscheinungen ausgestanden sind) und Entwöhnung (Lösung von der psychischen Abhängigkeit) besprechen.
Wo können Sie mehr in Erfahrung bringen?
Ihr Hausarzt und öffentliche Organisationen, Vereine und Beratungsstellen, die sich mit Alkoholismus beschäftigen, informieren Sie gern. Wenden Sie sich vor allem an Selbsthilfegruppen. Die älteste und bekannteste Organisation sind sicher die Anonymen Alkoholiker. Hier erfahren Sie auch die Anschriften von lokalen Gruppen.
Prognose
Ohne Therapie ist die durchschittliche Lebenserwartung eines Alkoholikers um 12 Jahre vermindert. Häufigste Todesursache sind Selbstmord (15 Prozent aller Alkoholiker), Unfälle, Herzerkrankungen und Krebserkrankungen. Trotz konsequenter Nutzung aller therapeutischen Möglichkeiten sind nur 45 Prozent der ehemaligen Alkoholkranken vier Jahre nach Ende einer Therapie noch abstinent. Genau da liegt der Haken: Die meisten Alkoholkranken sind nicht ausreichend kontinuierlich und stabil in ihrem Wunsch, von der Flasche loszukommen.









