The Statement (2003) - Englische Besetzung für Französisches Thema
Letztens bei Amazon geliehen und gesichtet… The Statement (2003). Die Geschichte dreht sich um einen französischen Kollaborateur (Michael Caine) und Judenmörder, der sich bis in die heutige Zeit mit Hilfe von Politik und Kircheversteckt halten konnte, nun aber scheinbar von jüdischen Aktivisten enttarnt und verfolgt wird. Eine engagierte Richterin (Tilda Swinton) nimmt sich des Falls an und stößt in ein Wespennest. So interessant die Geschichte ist, so wenig zufriedenstellend ist die Umsetzung gelungen.

Der Film spielt in Frankreich und arbeitet mit der Kollaboration und Judenverfolgung im Vichy-Frankreich des 2. Weltkriegs ein französisches Thema auf. Die Besetzung ist irritierender Weise jedoch zutiefst britisch. Nicht falsch verstehen… auch Filme wie Schindler´s List arbeiten mit einem internationalen Cast für eine in Polen und Deutschland handelnde Geschichte. Allerdings haben sich die Schauspieler auf verschiedene Weise (Kleidung, Gestik/Mimik, Akzent, Integration von lokalen Sprachelementen) so hervorragend in ihre Rolle gefügt, daß die Sprache kaum störend auffällt. Das ist hier nicht der Fall.
Es gibt wohl kaum “britischere” Darsteller als Michael Caine und Tilda Swinton - gerade letztere verkörpert mit ihrem blassen Teint, den schmalen Lippen und den Storchenbeinen wirklich das Klischeebild einer Britin. Hört man in die Original-Tonspur hinein, vernimmt man auch keinen versuch, ihr strenges Oxford-Englisch an den französischen Plot anzupassen. Caine ist da schon etwas wandlungsfähiger, doch auch bei ihm habe ich einfach Probleme, ihn mir als alteingesessenen Franzosen aus einer eher ländlichen Gegend vorzustellen. Dieser Film hätte wirklich mit einer schwerpunktmäßig französischen Besetzung ausgestattet sein müssen, um glaubwürdig zu wirken.
Auch ansonsten ist wenig Interessantes zu entdecken. Regie-Altmeister Norman Jewison (Rollerball) liefert eine uninspirierte Arbeit ab und versteht es nicht, seine Geschichte mit Aussagekräftigen Bildern auszustatten. Die Kameraführung ist extrem statisch und erinnert schon fast an einen Fernsehfilm. Das Good-Guy/Bad-Guy Spiel von Swinton und Northam ist platt und vermittelt nicht im geringsten, warum diese Richterin so schnell die Karriereleiter emporklettern konnte. Northams Motivationen bleiben unerklärt.
Und so verschießt Jewison seine Munition - in Form einer interessante Geschichte - durch mangelhaftes Casting und fehlende Detailarbeit bei Kameraführung und Charakterzeichnung. Schade.
Die DVD passt sich an das Niveau des Films an und liefert ein rauschendes, matschig wirkendes Bild, das weder scharf noch besonders natürlich in den Farben ist. Man könnte meinen, einen alten ARD-Tatort vor sich zu sehen. Beim Ton muß man wohl zur Kenntnis nehmen, daß da wo nichts ist, auch nichts hingezaubert werden kann. Soll heißen… der Sound der Original-Produktion ist im wesentlichen eine Stereo-Spur und man sollte jedwede Raumklangaspekte einfach vergessen. Die Deutsche Synchro setzt noch eins drauf und filtert sämtliche natürlichen Nebengeräusche heraus, um eine sterile, nach Tonstudio klingende Tonspur abzuliefern. Alles in allem erinnert der Produktionsstandard - wie oben erwähnt - doch sehr an einen Fernsehfilm. Die soliden Extras sind in Form eines holprigen Making-Of’s, einiger Interviews sowie insbesondere eines Regie-Kommantars von Norman Jewsion selbst vorhanden, der mir jedoch ein wenig zu unkritisch erscheint.