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Beschaulicher Ort 18. Nov 2008

Posted by Peter in : Erlebt , add a comment

Die Bäume sind weitgehend entlaubt, nur die Lärchen sieht man noch gelb aus den Nadelwäldern hervorscheinen. Das hat mich daran erinnert, dass ich als kleiner Junge meinen Lieblingsausguck auf einer Lärche hatte. Wir hatten zwei davon im Garten, dazu eine große Linde, eine Birke, eine Spitzeiche, zwei Ebereschen und eine Eibe. Und Obstbäume. Leider war keiner groß genug für ein richtiges Baumhaus.

Man konnte von der Lärche herab die Hauptstraße des Dorfes in beide Richtungen überblicken, und aus irgend einem Grund hatte der Stamm relativ weit oben, knapp unter der Spitze eine Art Biegung, in der man gut sitzen konnte. Ich muss da oben viele Stunden gesessen sein. Leider ist man als Erwachsener zu schwer, zumindest für Lärchen. Und man hat Wichtigeres zu tun. Denkt man wenigstens.

Schönes Signal 15. Nov 2008

Posted by Peter in : Peters Gedanken , 1 comment so far

Nach der US-Wahl haben einige Kommentatoren gefragt, ob das hier auch denkbar wäre: Ein politisches Spitzenamt für jemanden “mit Migrationshintergrund” (schreckliches Wort), noch konkreter: einen anatolischen Schwaben. Heute haben die Grünen Cem Özdemir zum Parteichef gewählt, nachdem er zuletzt noch einige Kröten von Seiten der Parteifreunde hatte schlucken müssen. Ob der Obama-Faktor da eine Rolle gespielt hat?

Deutschland tut es auf jeden Fall gut, finde ich, auch wenn es keine echte Überraschung war.

Würde Jesus Idea lesen?

Posted by Peter in : Erlebt, emerging church , 7 comments

Vielleicht, aber ob es ihm Spaß machen würde, ist eine andere Frage. Diese Woche erschien der Emerging Church Artikel von Karsten Huhn. Er hatte sich damit sicher große Mühe gegeben, aber beim Lesen des Endprodukts war ich doch wieder ziemlich unglücklich. Irgendwie ist es immer dasselbe mit idea: Sie sind freundlich, aber manche Dinge können sie anscheinend nicht verstehen, auch wenn man sich den Mund fusselig redet. Dazu kommt der zwanghafte Zug zum Schubladisieren und Werten.

In diesem Fall steigt Huhn mit Brian McLaren ein, verweist auf den Buchtitel “Everything Must Change” und unterstellt dem Autor eine “einseitige, auf das Diesseits beschränkte Geschichtsauffassung” (gemeint ist jedoch die Eschatologie, und Belege werden natürlich auch nicht angeführt). Und dann wird auch gleich wieder das Etikett “bedenklich” drauf geklebt. Natürlich vertritt McLaren nicht die Vorstellung von “Himmel und Ewigkeit” eines FTA-Absolventen, aber reine Diesseitigkeit kann man ihm nicht vorwerfen. Da reicht im Zweifelsfall ein Blick in “Finding Our Way Again”. Aber das idea-typische Schwarz-Weiß Raster führt zu solch unnötigen und ärgerlichen Kurzschlüssen.

Man kann über solche Fragen natürlich diskutieren und unterschiedlicher Meinung sein. Nur finde ich es methodisch schwierig, wie hier ein Autor andere befragt und zu Wort kommen lässt und dann quasi aus dem Off plötzlich mitdiskutiert und seine Meinung einfließen lässt, die allerdings im Unterschied zu den dort genannten Stimmen nie als persönliches Statement gekennzeichnet wird. Karsten Huhn und ich haben schon am Telefon im Vorfeld der Veröffentlichung darüber gestritten: Ich finde, er hätte diese Wertungen da heraushalten müssen, trotz allen Wohlwollens, das er in diesem Artikel auch an den Tag legt und mit dem er die Kluft zwischen Emergenten und Idea-Lesern zu überbrücken versucht.

Ich habe den Rest des Heftes noch überflogen, und es bleibt erst mal dabei: Ich bin ein glücklicherer Mensch, wenn ich Idea nicht lesen muss.

The Great Emergence: Das 20. Jahrhundert und seine Fragen (2) 10. Nov 2008

Posted by Peter in : Kirche und Zukunft / emerging church , 3 comments

Das Sinn stiftende “Cable of Meaning”, das von einer gemeinsamen Geschichte und Vorstellungen umhüllt wird, hat drei Stränge: Spiritualität, Moral und gemeinsame Praxis (”corporeality”). Der Wandel des Schriftverständnisses im 20. Jahrhundert, den ich am Ende des letzten Posts beschrieben habe, gehört zum letzten Strang. Durch die Entscheidung, sich auf eine Art biblischen Absolutismus zu gründen, hat der Protestantismus sich durch den Bezug auf bestimmte, kodifizierte Glaubenssätze definiert. Der einzelne definiert sich durch die Zustimmung zu diesen Sätzen, die Institution zeigt die korporative Dimension davon auf. Zugleich verweist Tickle auf die Erneuerung der katholischen Lehre in den vatikanischen Konzilen, die den traditionalistischen Kurs vorsichtig öffnete für den Dialog der Konfessionen und Religionen.

Der Strang der Moral bekam es mit der Frage zu tun, was ein menschliches Wesen ausmacht und wo menschliches Leben beginnt und endet - die Themen Abtreibung und Sterbehilfe. Die Definitionen erwiesen sich als schwierig.

Technische Neuerungen wie Unterhaltungselektronik, Computer und das Internet stellten die religiösen Institutionen vor neue Herausforderungen und bedrohen herkömmliche Hierarchien. Der Nationalstaat verliert an Bedeutung in einer globalisierten Welt, Information wird wichtiger als Geld. Aber auch das Risiko der Desinformation steigt in einer “wiki world”.

Der zweite Weltkrieg hatte durch die Abwesenheit der Männer die amerikanischen Hausfrauen in den Beruf gedrängt und nach Kriegsende waren ihnen die Häuser, in die sie zurückkehrten, zu eng geworden. Ein neues Frauenbild war entstanden und die Kirchen überboten sich mit Angeboten, wie man die freie Zeit ausfüllen konnte. Und die Entwicklung setzte sich in den Folgejahren fort: Die Familie als Grundbaustein der Gesellschaft wandelte sich fundamental. Die Pille ermöglichte wirksame Geburtenkontrolle. Beide Ehepartner verdienten sich Geld und Anerkennung zunehmend außerhalb der Familie. Das Zuhause war nicht mehr der Grund für die Arbeit, sondern der Rückzugsraum, in dem jeder neue Kräfte sammelte, um die Arbeit wieder in Angriff zu nehmen. Inzwischen lebt die Mehrheit der Amerikaner schon nicht mehr in klassischen Familien (Vater, Mutter und die eigenen Kinder).

Auch das hatte seine Auswirkungen auf die religiöse Erziehung: Nun fielen auch die Mütter als Vermittler von Geschichten und Glaubensinhalten zunehmend aus. Eine Art biblischer Analphabetismus hielt bei den heute unter Fünfzigjährigen Einzug.

Hier sind zwei Youtube-Videos, auf denen Tickle die wesentlichen Fragen umreißt:

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The Great Emergence: Das 20. Jahrhundert und seine Fragen (1) 09. Nov 2008

Posted by Peter in : Kirche und Zukunft / emerging church , add a comment

Ich hatte diese Fortsetzung ja neulich versprochen: Phyllis Tickle sieht eine theologische und spirituelle Zeitenwende heranziehen, die mit der Reformation vergleichbar ist und deren Vorgeschichte in Nordamerika schon ein gutes Jahrhundert andauert. Hier sind einige Schlaglichter:

[image]

Der Verlust der Gewissheit: Das 20. Jahrhundert beginnt mit einem naturwissenschaftlichen Paradigmenwechsel. Einsteins Entdeckung der Relativität und Heisenbergs Unschärferelation (engl. “uncertainty”) sorgten dafür, dass allmählich für das gesamte akademische Denken absolute Wahrheiten nicht mehr existierten - es gab nur noch Beobachtungen, die vom relativen Standpunkt des Beobachters abhängen. In der Theologie hat die historische Kritik etwa bei Schweitzer die Relativität der Jesusbilder des 18. und 19. Jahrhunderts als Projektionen entlarvt, und Literar- und Formkritik trugen weiter dazu bei, dass auch Schriftauslegung als ein subjektiver Vorgang verstanden wurde - der Glaube an eine unfehlbare Schrift als direkte, unvermittelte Quelle absoluter Wahrheit war dahin.

Die Pfingstkirchen: Zeitgleich entsteht aus der lebendigen, in Gemeinschaft verwurzelten afroamerikanischen Spiritualität eine Bewegung, die ausgesprochen egalitär ist und die Barrieren zwischen Schichten, Geschlechtern und Rassen überwand und eine partizipatorische Gottesdienstkultur entwickelte. Theologie spielte dabei kaum eine Rolle. Die Bibel war nicht unwichtig, aber in Zweifelsfall war klar, dass der Heilige Geist das letzte Wort haben würde.

Die Freizeitgesellschaft: Mit dem Automobil wurden seit Fords “Tin Lizzie” (1908) große Städte möglich, das Wochenende wurde allmählich zum Ort vielfältiger Freizeitaktivitäten und die Großfamilie saß nicht länger nach der Kirche um Großmutters Tisch - den Ort, an dem bis dahin ein Großteil der religiösen Erziehung stattgefunden hatte. Der Zwei-Generationen-Familie fehlte die “Bremse”, die den Fortschritt im Zaum hielt.

Im Gefolge der Wirtschaftskrise erlebten sozialistische Ideen eine Blütezeit. Traditionelles Christentum geriet in den Verdacht, den gesellschaftlichen Wandel durch ein Bündnis mit den alten, kapitalistischen Autoritäten zu verhindern. Um die Mitte des Jahrhunderts hatten sich die Gemeinden gewandelt. Man baute Gemeindezentren und Sportanlagen und ermöglichten das Erleben sozialer Gleichheit, auf der der gemeinsame Glaube dann aufbaute.

Der Sprung von der traditionellen, konfessionell und dogmatisch geprägten Kirchlichkeit zu einer undogmatischen, erfahrungsorientierten Spiritualität kam mit den Anonymen Alkoholikern. Jeder Teilnehmer hatte die Freiheit, sich Gott so vorzustellen, wie er wollte. Die Gesundung schien auf dieser Fähigkeit zu beruhen. Zugleich wurden die “Fachleute” in dem Heilungsprozess durch ehemalige Abhängige ersetzt, was wiederum die Rolle des Klerus allmählich untergrub.

Die Begegnung mit dem Buddhismus: Immer neue Wellen von Einwanderern, vor allem aus Asien (und dann die Kriege in Japan, Korea und Vietnam mit den Begegnungen zwischen den Kulturen), trugen dazu bei, dass seit dem Immigration Act von 1965 eine Spiritualität ins Land schwappte, die keine Religion mehr brauchte, um zu funktionieren. Das Christentum in den USA war bis dahin in seiner Mehrheit ländlich, hart arbeitend, ästhetisch unterentwickelt und lebte aus einer Frömmigkeit des Wortes. Der Buddhismus begann, ein großes Vakuum zu füllen:

Dann kam der Buddhismus mit seiner reichen, reichen Erzähltradition weisheitlicher Erfahrung, Jahrhunderten entspannter Konversation über das Leben des menschlichen Geistes, einer Fülle von Ausdrücken und einer üppigen Rhetorik, mit seiner sensiblen und sinnlichen Praxis, die den Körper in die Geisteswelt einbezog, exotischen Ornamenten und einer ruhigen Ästhetik, mit der Zusicherung, dass hochstehende und sogar beneidenswerte Kulturen aus der Meditation genauso entstehen können wie aus einer frenetischen Arbeitsethik, mit der Betonung auf der Stille und der Lehre von einer Realität jenseits der Illusion. (…) Die Reise des Geistes erforderte nicht das Gepäck der Religion, um zu einer sinnvollen, lohnenden Wanderung zu werden. (S. 96)

Die Drogenerfahrungen der sechziger und siebziger Jahre vertieften diese Tendenz der Erforschung der eigenen Innerlichkeit und warfen zudem die Frage auf, was denn Bewusstsein eigentlich ist.

Die Erosion des Sola Scriptura: Seit Luthers Zeiten war die Schrift die unangefochtene Autorität im Protestantismus, der in Nordamerika (anders als in weiten Teilen Europas) dominierte. Schon der Bürgerkrieg offenbarte, dass sich sowohl Gegner als auch Befürworter der Sklaverei auf die Schrift berufen konnten. Fast alle protestantischen Kirchen hatten sich über dieser Frage damals gespalten. Nach dem ersten Weltkrieg stand die Frage der Gleichberechtigung der Geschlechter zur Debatte, Frauen erhielten nach einigen Jahren das Wahlrecht und waren als Bürgerinnen nicht mehr den Männern unterworfen.

Zur Mitte des Jahrhunderts stand die Frage der Ehescheidung an. Allmählich durften Geschiedene Teil der Gemeinde sein, Wiederheirat wurde akzeptiert und gegen Ende des Jahrhunderts galt dies auch für den Klerus. Die nächste Auseinandersetzung drehte sich um die Ordination von Frauen und die Zulassung zum Bischofsamt und als letzte dieser Fragen steht das Thema Homosexualität zur Debatte. Mit ihr - als letztem und eben deshalb bitterstem Streitfall - wird das protestantische Schriftverständnis zu Grabe getragen. Nicht die Autorität der Schrift (!)

… aber was die protestantische Tradition über das Wesen dieser Autorität gelehrt hat wird entweder tot sein oder um des Überlebens willen neu konfiguriert werden müssen. (S. 101)

(Fortsetzung folgt)

Wichtiger Fund 08. Nov 2008

Posted by Peter in : Auf-Gelesen , add a comment

Ein jüdischer Archäologe, dessen Kollegen David und Salomo schon im Reich der Fabel und Legende ansiedelten, hat einem Bericht von Ulrich Sahm auf n-tv zufolge nun eine Grenzfestung des großen Königs aus biblischer Zeit ausgegraben und damit den ersten klaren archäologischen Hinweis auf das Großreich Davids und Salomos entdeckt.

Kurz und bündig: Mission 06. Nov 2008

Posted by Peter in : Auf-Gelesen , 2 comments

Mission heißt zeigen, was man liebt. Was man liebt, das zeigt man, und man hält es nicht in einem geheimen Winkel.

Fulbert Steffensky

Endlich! 05. Nov 2008

Posted by Peter in : Peters Gedanken , 2 comments

Obama hat es geschafft und schlägt mit seinem überwältigenden Sieg wahrscheinlich ein neues Kapitel amerikanischer Geschichte auf. Die hohe Wahlbeteiligung und die Begeisterung in den Städten Amerikas spricht dafür, dass er ein zerrissenes Land zusammenführen kann. Dieser Wandel wurde sehnsüchtig erwartet und konnte auch mit fiesen Aktionen einiger Gegner nicht mehr verhindert werden.

Die Freudentränen bei Obamas Rede in Chicago haben ihren Grund - die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist geweckt. Und wenn Obama von Europa mehr Engagement in der Welt erwartet als sein Vorgänger, dann ist das auch für uns nur gut, auch wenn es anstrengender wird. Mehr dazu bei Haso und im Spiegel von Matthias Matussek.

Schrift ohne Prinzip? 03. Nov 2008

Posted by Peter in : Kirche und Zukunft / emerging church , 9 comments

Das kommt kurz nach dem Reformationstag: Ich habe The Great Emergence weitergelesen und bin nach einem Kapitel über die Vorgeschichte und Wirkung der Reformation (beziehungsweise den Fragen, die sie aufwarf) nun bei den Entwicklungen, die das reformatorische Paradigma sprengen, das vor 500 Jahren die mittelalterlichen Autoritäten ersetzte. Sehr spannend, ich werde in den nächsten Tagen mal eine Zusammenfassung wagen.

Tickle ist überzeugt, dass das protestantische Schriftprinzip (wichtig: nicht die Schrift selbst!) in naher Zukunft mausetot sein wird. Wenn ich es richtig sehe, sieht sie das Wirken des Heiligen Geistes an dessen Stelle treten, das deutet sich in ihrer Darstellung der Pfingstbewegung an.

Bis ich das alles verstehe und wiedergeben kann, hier ein Artikel von Kurt Willems aus The Ooze, der sich mit einem postmodernen Schriftverständnis befasst und ein paar Fehlinterpretationen von Derrida und Lyotard zu korrigieren versucht.

Spruch des Tages (6) 01. Nov 2008

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Kultur ist, wenn Sie Ihrem Nachbarn den Kopf abschlagen und daraus eine Blumenvase machen. Zivilisation ist, wenn Sie dafür ins Gefängnis müssen und nie wieder rauskommen.

Henryk M. Broder im Spiegel

Eine(r) läuft immer… 30. Okt 2008

Posted by Peter in : Erlebt , 4 comments

Die letzten drei Wochen war ich zu faul, um regelmäßig laufen zu gehen und prompt hat mich eine ausgewachsene Erkältung überfallen und stört die Konzentration am Tag und den Schlaf in der Nacht. In den Winter (von den Temperaturen fühlt es sich jedenfalls so an), in denen ich konsequent durchgelaufen bin dreimal die Woche, hat es wo etwas nicht gegeben.

Nun schlucke ich ein Antibiotikum, das erste seit ein paar Jahren, und denke mir: Ich habe die Wahl - entweder ich laufe, oder meine Nase.

Also, die warmen Hosen auspacken, die Batterie in der Stirnlampe checken und wenn sich der Husten verzogen hat, nichts wie raus. :-)

Hitler, Billy Graham und Obama? 28. Okt 2008

Posted by Peter in : Peters Gedanken , 2 comments

Eben noch machte unter all den republikanischen Schlammwerfern auch “Focus on the Family” mobil mit einem düsteren (na ja, aus ihrer Sicht…) Horrorszenario für den Fall eines demokratischen Wahlsieges, indem man einen fiktiven Brief aus Obamas Amerika 2012 schrieb, in dem u.a. dreist behauptet wird, dass dann kleine Jungs bei den Pfadfindern gezwungen werden sollen, mit homosexuellen Betreuern in einem Zelt zu schlafen (die üble Gleichung Homosexuelle = Kinderschänder ist da wohl impliziert). Ganz, ganz tiefer Griff in die Gruselkiste so kurz vor Halloween…

Ehrlich gesagt, Bushs Amerika 2008 hätte schon genug Horror zu bieten - und dazu hätte man den schwarzen Pinsel stecken lassen können.

Aber wer das schon für den Gipfel der Geschmacklosigkeit hielt, wird eines besseren belehrt: Gestern bekam ich dann eine E-Mail über einen christlichen “Gebetsverteiler”, in der ein ehemaliger Mitarbeiter von Billy Graham sich auf Barack Obamas großen Anklang bei der Bevölkerung bezieht, und unter anderem mit folgenden Worten zitiert wird (der Text erscheint auch auf einigen McCain Websites):

The power of speech from a charismatic person truly can be a powerful thing. Certainly Billy Graham had charisma. Both his manner of speech and particularly the content changed millions. On the extreme other hand, the charisma of Adolph Hitler, too, inspired millions and the results were catastrophic. Barack Obama certainly is no Hitler or a Billy Graham, but for many Americans riding on the Obama Tidal Wave it is just like a surfer who might be ecstatic and euphoric while riding a tidal wave, but the reality of the ride is what happens when it hits shore.

Der echte Bill Brown hat sich inzwischen davon distanziert. Irgendwer hat eine Angstkampagne mit Schlamm-Spam gestartet und dabei, um Obama als Rattenfänger zu diffamieren, indirekt Billy Grahams Namen genutzt. Wohl wissend, dass viele verängstigte Christen diese Propaganda ungeprüft verbreiten würden - und das bis zu Wahl auch keiner mehr klären kann. Vielleicht eine gute Gelegenheit zur Selbstprüfung, bevor ich das nächste Mal auf “Weiterleiten” klicke. Von dem Verteiler habe ich mich abgemeldet. Spam habe ich auch so schon genug.

(Ganz nebenbei zeigt sich heute wieder einmal: in den USA kommt der Terror von Rechts, nicht von links oder von außen)

Rechtfertigung: Der Bischof im Youtube-Comic

Posted by Peter in : Aus dem Netz gefischt, Theologie , 1 comment so far

Die EKD hat youtube entdeckt. Hier erklärt Bischof Huber die Rechtfertigung in einem Comic:

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Und ich bin gespannt auf die Rezension in “Glaube und Denken” :-)

Andere Zeiten? 27. Okt 2008

Posted by Peter in : Peters Gedanken , 1 comment so far

Gestern im Gottesdienst hatten wir es von David, der schon zum König gesalbt wurde, während sein glückloser Vorgänger noch im Amt war. Und ich dachte beim Zuhören, dass das alles gar nicht so weit weg ist.

Die Anklänge an die aktuelle Landespolitik sind unüberhörbar. Ob Seehofer allerdings seinen Goliath (das Mammutloch der Bayern-LB) mit einem Schuss erledigt und dann 40 Jahre regiert? Zumindest hatte er von Hubers und Becksteins Mäntelchen auch nur den Zipfel abgeschnitten. Den Rest hat Edis Söldnertruppe erledigt…

Sinn-Krise 26. Okt 2008

Posted by Peter in : Aus dem Netz gefischt , add a comment

Das musste schiefgehen: Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut vergleicht die Kritik an den Bankenmanagern mit dem Antisemitismus der Weimarer Zeit. Klar fallen im Moment alle über die Banker her, und nicht immer sehr fair. “Sündenböcke” sind sie deswegen trotzdem nicht, denn im Unterschied zu den Juden in Deutschland waren sie alle direkt beteiligt am Schlamassel und haben lange von dem System, dem Sinn nun die Schuld gibt, mächtig profitiert.

Und zwischen kritischen Kommentaren in Zeitungen (oder der drohenden Kürzung des Gehalts auf armselige 500.000 Euro) und dem Schicksal der Juden im Dritten Reich gibt es noch ein paar klitzekleine Unterschiede…


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