Ich weiss nicht mehr genau wann es war, aber es muss schon vier oder fünf Jahre her sein. Billy Crystal war damals der Showmaster der Oscar-verleihung in Hollywood. Vor der Show gab es einen extrem witzigen Clip mit ihm zu sehen, in welchem er in ein Kino geht, sich ein Ticket kauft, Popcorn ebenso, dann die Werbung über sich ergehen lässt - und wenn der Film beginnt, stellt er einen Camcorder auf einem Stativ neben sich und fängt völlig ruhig an, den Film aufzunehmen. Damals fing grade dieser Screener-Quatsch an und der Witz war ein großer Brüller für “Downloaderâ€. Aber was hat das mit Eric Clapton zu tun?

Nun, am Samstag lachte ich genauso viel wie damals. Ich ging mit meiner Frau zu Eric Claptons Konzert im “Shanghai East Asia Sports & Recreation Centerâ€, oder kurz: Shanghai Stadium. Schon beim Erhalt der Tickets vor einigen Wochen musste ich schmunzeln, da auf der Rückseite als Sicherheitspunkt 3 “Photographie sowie Videoaufnahme ist verboten†stand, dann bei Punkt 4 “Photographien mit Blitzlicht sind strengstens verboten†folgte. Paradox! Verrückt!
Nachdem wir im Stadium angekommen waren und unsere Plätze gefunden hatten (Sitzkonzert…), fing ich an, mir die Umgebung genauer anzusehen, ich war noch nie in dieser Halle. Links und rechts von der Bühne hingen zwei große Leinwände, auf denen bis zum Start des Konzerts in großen Buchstaben “Foto- und Videoaufnahmen sind verboten!†stand. Am Eingang war ich total nervös, schmuggelte ich doch meine Nikon D50 in der Handtasche von meiner Frau in das Konzert. Doch sobald ich die anderen Gäste sah, die durch unseren Eingang kamen, beruhigte ich mich. Mindestens 10 Chinesen kamen durch unseren Eingang - einer von 20 - und hatten große Videokameras in ihrer Hand. ich rede nicht von kleinen Camcordern die man gut verstecken kann, ich rede hier von großen, professionellen DV-Kameras wie der Canon XL2. Einer hatte sogar diese neue schwarze Sony HDV Kamera. Der Abschuss war dann aber, dass drei Chinesen sogar Stative mitgebracht hatten! Wollt ihr mich total verarschen? Ein Päckchen Zigaretten oder 5 Euro müssen den Sicherheitskräften wohl gereicht haben, um die mit dem Equipment durchzulassen… Verrückt!
Aber genug über die Sicherheit bei chinesischen Konzerten. Gehen wir über zu Eric. Zu Mr. Slowhand. Zu Gott.
Das Konzert begann mit 10 Minuten Verspätung um 19:40 Uhr. Eric kam direkt mit Band auf die Bühne, keine Vorgruppe oder so, und begann das Konzert mit einem Mix aus drei Lieder, in der Mitte das wunderschöne “Why does love got to hurt so badâ€. Nach diesem viertelstündigen Jam grüßte er dann auch das Publikum endlich. Bereits hier kam es mir etwas komisch vor, als ob er unter Zeitdruck wäre. Während der nächsten Songs stellte er seine Bandmitglieder vor und gab ihnen viele Solos, um ihre Fähigkeiten zu zeigen.
Er spielte einige Lieder von seinem neuen Album mit J.J. Cale und einige alte Hits. “Wonderful Tonight†gab es, und er spielte sogar einen Song akustisch, nur Eric und eine nicht-elektrische Gitarre - Wahnsinn. Mit “Layla†brachte er dann nach etwa anderthalb Stunden die Zuschauer von ihren Stühlen, die Leute fingen an zu tanzen, liefen direkt vor die Bühne - das Konzert hatte seinen Höhepunkt erreicht. Nach der ersten Verabschiedung gab es noch eine Zugabe, dann war, nach einer Stunde und 50 Minuten, endgültig Schluss.
Nennt mich verwöhnt, aber ich habe bessere Konzerte von ihm gesehen - in Frankfurt. Das letzte Konzert, dass ich von ihm sah, war zusammen mit Robert Randolph, und dieses, verdammt noch mal, war das vielleicht beste Konzert dass ich je gesehen habe. Erst spielte Randolph mit seiner komischen Tisch-Gitarre eine Stunde, und dann Eric auch noch zwei, am Ende jammte er zusammen mit Randolph. Das Publikum lief Amok, da war richtige Stimmung in der Luft, eine unglaubliche, unvergessliche Atmosphäre.
Okay, Clapton wird nicht jünger, und bevor er nach Shanghai kam gab er auch noch eine abnormale Menge von Konzerten in Japan und Korea. Die eigentliche Mission war ohnehin, meiner Frau den “echten†Live-Eric vorzustellen, und das hat geklappt.
Sie fand das Konzert super.
Noch eine Sache, die mir aufgefallen ist: Clapton spielte nicht seinen Hit “Cocaine†- und den spielt er eigentlich immer. Ich bin mir zu 95% sicher - kann natürlich nichts beweisen - dass die chinesische Regierung ihm verboten hat, diesen Song zu spielen. Als die Stones nach China kamen, gab es auch ein Verbot für einige Songs seitens der Regierung.
Cross-posted im mysan.de blog und auf english bei meinem privaten Blog.
Von Jakob Montrasio am 11. Juli 2007 um 16:38 verzapft!
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