Französische Fußballnationalmannschaft
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
France
Frankreich 10:0 Aserbaidschan
(Auxerre, Frankreich; 6. September 1995)
Die Französische Fußball-Nationalmannschaft der Männer, die so genannte Équipe Tricolore (nach der Flagge Frankreichs) oder kurz Les Bleus nach den traditionell blauen Trikots, ist eine der erfolgreichsten Nationalmannschaften im Fußball. Frankreich gewann einmal die Fußball-WM und zweimal die Fußball-EM.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Bis zum Zweiten Weltkrieg
Der französische Fußballdachverband ist seit 1919 die Fédération Française de Football (FFF). Die FFF war 1954 Gründungsmitglied der UEFA. Frankreich richtete auch früh erstmals eine Weltmeisterschaft aus, nämlich die 3. WM 1938.
Allerdings wurden bereits unter den Vorgängern der FFF – das war bis 1908 die Union des Sociétés Françaises de Sports Athlétiques (Mitbegründerin der FIFA), ab 1909 der Comité Français Interfédéral – Länderspiele ausgetragen, die als offizielle Begegnungen zählen. Das allererste internationale Match fand am 1. Mai 1904 vor 1.500 Zuschauern im Brüsseler Vivier d'Oie gegen Belgien statt und endete mit einem 3:3. Das erste Heimspiel der Bleus war ihr zweites Länderspiel am 12. Februar 1905: 500 Zuschauer im Parc des Princes sahen einen 1:0-Sieg der Gastgeber über die Schweiz.
Blaue Trikots trugen die Nationalspieler erstmals bei der Begegnung gegen England am 23. März 1908 in London, dem 8. offiziellen Länderspiel, und diese Farbe blieb trotz einer empfindlichen 0:12-Niederlage bis in die Gegenwart das Markenzeichen der Bleus.
Bis zur Gründung der FFF gab es insgesamt 37 offizielle Länderspiele, von denen Frankreich bei einem Gesamt-Torverhältnis von 61:165 zehn gewann, fünfmal remisierte und 22 Niederlagen kassierte. Außer gegen Belgien (12) und die Schweiz (6) trat die Équipe tricolore gegen England (6, stets eine Amateurauswahl), Italien (5), Luxemburg (3), Dänemark, Ungarn (je 2) und die Niederlande (1) an.
Von 1920 bis 1944, jetzt unter der Ägide der FFF, war die Gesamtbilanz nicht wesentlich besser: 39 Siegen standen bei 13 Remis 74 Niederlagen gegenüber.
Von 1945 bis 2004
Erstmals machte die Nationalelf 1958 bei einer Weltmeisterschaftsendrunde nachhaltig auf sich aufmerksam, als sie den dritten Platz belegen konnte, von den internationalen Fachleuten in einem Atemzug mit den Brasilianern genannt wurde und mit Regisseur Raymond Kopa den besten Spieler sowie mit Mittelstürmer Just Fontaine den erfolgreichsten Torschützen stellte, den es jemals bei einem Turnier gab. Zwei Jahre später qualifizierten die Bleus sich auch für die erste Europameisterschaftsendrunde, die daraufhin in Frankreich ausgetragen wurde. Die anderthalb Jahrzehnte seit Kriegsende waren durch eine positive Bilanz gekennzeichnet: von 105 A-Länderspielen gewann Frankreich 49, spielte 22-mal unentschieden und verlor nur 34.
In den folgenden Jahren durchschritt die Équipe tricolore allerdings erneut ein „Tal der Tränen“: von 1960 bis 1975 standen 34 Siegen und 22 Unentschieden 45 Niederlagen gegenüber, und abgesehen von der Teilnahme an der WM 1966 dauerte es bis 1978, ehe sie sich wieder für ein großes internationales Turnier qualifizieren konnte. Einen Titel errang die französische Nationalelf allerdings erst in den 1980er Jahren: Unter der Führung von Michel Platini gewann die Mannschaft die Fußball-Europameisterschaft 1984 im eigenen Land und erreichte 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko jeweils das Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft, verlor diese beiden Spiele aber gegen Deutschland. Unter den Trainern Michel Hidalgo (1976–1984) und Henri Michel (1984–1988) blieb die A-Elf 57-mal siegreich, remisierte 28-mal und verlor nur 26 Partien.
Nachdem der Kern dieser Teams die Karriere beendet hatte, folgte eine kurze Durststrecke, bei der die Qualifikation zur EM 1988 sowie den Weltmeisterschaften 1990 und 1994 verpasst wurde.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 im eigenen Land wurde das Team Weltmeister. Eckpfeiler des Teams waren Torhüter Fabien Barthez, Abwehrspieler und Mannschaftskapitän Laurent Blanc sowie der überragende Regisseur Zinédine Zidane. Im Finale schlug Frankreich die favorisierte brasilianische Elf mit 3:0. Frankreich bestätigte seinen Erfolg zwei Jahre später bei der Fußball-Europameisterschaft 2000 in Holland und Belgien, als es Italien im Finale mit 2:1 nach Golden Goal besiegen und als erster amtierender Weltmeister auch Europameister werden konnte.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 schied man dann ohne eigenen Torerfolg bereits in der Vorrunde aus. Die Fußball-Europameisterschaft 2004 endete für die Équipe Tricolore im Viertelfinale, wo man gegen den späteren Europameister Griechenland mit 0:1 unterlag. Allerdings gewann sie 2001 und 2003 den Konföderationen-Pokal. Die Gesamtbilanz der Jahre von 1988 bis zum Sommer 2004 (Amtsantritt des aktuellen Nationaltrainers Raymond Domenech) war uneingeschränkt positiv: 113 Siegen standen lediglich 22 verlorene Spiele bei 40 Unentschieden gegenüber.
Seit 2004
Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 konnte sich Frankreich erst am letzten Spieltag qualifizieren. Dort erreichte Frankreich dann aber das Finale, wo es wie bei der EM 2000 auf Italien traf, dem es diesmal im Elfmeterschießen unterlag und die WM als Zweiter beendete. Auch für die Endrunde der Fußball-Europameisterschaft 2008 qualifizierten sich les Bleus. Dort schieden sie allerdings bereits nach der Vorrunde aus.
Teilnahme Frankreichs an der Fußball-Weltmeisterschaft (12 mal)
Teilnahme Frankreichs an der Fußball-Europameisterschaft (7 mal)
Titel
Nationaltrainer
Von 1904 (1. offizielles Länderspiel) bis 1919 (Gründung des Fußballverbands FFF) wurde die Nationalmannschaft vom Dachverband Comité Français Interfédéral aufgestellt. Gemeinsames Training der Nationalspieler und damit das Amt eines hauptberuflichen Nationaltrainers waren in der Frühzeit des Fußballs nicht nur in Frankreich unbekannt. Ab 1919 gab es zwar zeitweise – für ein einzelnes Spiel oder ein Turnier (Olympische Spiele, Weltmeisterschaftsendrunde) – einen Trainer, ab 1950 oder 1951 auch einen festen, der allerdings – wie Albert Batteux – immer noch hauptsächlich bei einem Verein beschäftigt war. Der Mannschaftskader für jedes Länderspiel wurde bis 1964 von einem Auswahlkomitee der FFF festgelegt, das aus einem oder mehreren „Technischen Direktoren“ bestand. Deshalb wird der Nationaltrainer dort auch heute noch oft als Sélectionneur (Auswählender) bezeichnet.[1]
Auswahlkomitees der FFF
Trainer
In Klammern hinter dem Namen ist jeweils die Zahl der offiziellen Länderspiele während seiner Amtszeit angegeben; Pibarot und Bigot werden in den meisten anderen Trainerstatistiken nicht berücksichtigt, Batteux nur gelegentlich.
Spieler
Eine Liste sämtlicher Spieler, die in offiziellen A-Länderspielen für Frankreich eingesetzt wurden, findet sich unter Liste der französischen Fußballnationalspieler.
Chronologie der Rekordnationalspieler
Als erster französischer Spieler erreichte Jean Rigal im April 1911 eine zweistellige Zahl von sogenannten Caps, d.h. Einsätzen für die Nationalelf.
seiner Länderspiele
Zahl der Spiele Rekordhaltervon ... bis
Rekordhalterfür ... Jahre
Hinter Thuram und seinem Vorgänger Desailly folgen in der Liste der häufigsten Nationalelfeinsätze Zidane (108), Vieira, Henry (je 105, beide noch aktiv), Deschamps (103), Blanc, Lizarazu (je 97) und Wiltord (92, noch aktiv). (Stand: 10. September 2008)
Erfolgreichste Torschützen
Während der EM 1984 löste Michel Platini Just Fontaine, der bis dahin mit 30 Treffern den Rekord hielt, als erfolgreichster Torschütze der Nationalmannschaft ab. Bis zum Ende seiner Länderspielkarriere erhöhte Platini seine Trefferanzahl auf 41; am 13. Oktober 2007 stellte Thierry Henry diesen Rekord ein und überbot ihn schließlich vier Tage später. Inzwischen brachte Henry es auf 46 Tore. Auf Platz Drei liegt mit David Trezeguet (34) ein weiterer, noch aktueller Nationalspieler. Mit 31 Torerfolgen im blauen Trikot folgt Zinédine Zidane vor Just Fontaine und Jean-Pierre Papin (je 30).
Von der Effizienz, also der Zahl der Treffer pro Einsatz, her liegt Henry allerdings mit 0,44 nicht einmal unter den besten 15 Nationalspielern (nur solche mit mindestens 10 Toren). Hier führen Fontaine (1,43) und Eugène Maës (1,36) deutlich vor Thadee Cisowski (0,85), Jean Nicolas (0,84), Ernest Vaast (0,73), Jean Baratte (0,59), Émile Veinante (0,58), Paul Nicolas und Platini (0,57), Papin (0,56) sowie Hervé Revelli (0,50).[2](Stand: 10. September 2008)
Weitere bekannte Ex-Spieler
Die Saison 2007/08
Verlauf
F = Freundschaftsspiel, Q = EM-Qualifikationsspiel
Bei der Europameisterschaftsendrunde:
Eingesetzte Spieler
e = eingewechselt, /1T = 1 Tor
Tor: Grégory Coupet (Lyon, 7), Mickaël Landreau (Paris SG, 6), Sébastien Frey (AC Florenz, 2), Steve Mandanda (Marseille, 1e)
Abwehr: Éric Abidal (FC Barcelona, 12+1e), Lilian Thuram (FC Barcelona, 12), William Gallas (Arsenal, 9), François Clerc (Lyon, 6+1e), Patrice Evra (Manchester United, 6+1e), Willy Sagnol (Bayern München, 5), Julien Escudé (FC Sevilla, 3+1e), Jean-Alain Boumsong (Juventus, 1+2e), Bacary Sagna (Arsenal, 1+1e), Sébastien Squillaci (Lyon, 1+1e), Philippe Mexès (AS Rom, 1)
Mittelfeld: Claude Makélélé (Chelsea, 13), Franck Ribéry (Bayern München, 12/2T), Jérémy Toulalan (Lyon, 9+3e), Florent Malouda (Chelsea, 10+1e), Lassana Diarra (Arsenal, 7+3e), Samir Nasri (Marseille, 2+7e/1T), Hatem Ben Arfa (Lyon, 1+5e/1T), Patrick Vieira (Inter Mailand, 4), Jérôme Rothen (Paris SG, 2/1T), Mathieu Flamini (Arsenal, 2e), Alou Diarra (Bordeaux, 1)
Angriff: Nicolas Anelka (Bolton, 8+5e/1T), Karim Benzema (Lyon, 7+4e/2T), Thierry Henry (FC Barcelona, 10/6T), Sidney Govou (Lyon, 4+2e/2T), Bafétimbi Gomis (Saint-Étienne, 4e/2T), David Trezeguet (Juventus Turin, 2), Djibril Cissé (Marseille, 1+1e)
Verlauf der EM 2008
Bei der Europameisterschaftsauslosung am 2. Dezember 2007 wurden der Équipe tricolore mit Italien, den Niederlanden und Rumänien drei besonders schwere Gegner zugeteilt. Raymond Domenech kommentierte dies mit den Worten: „Ich bin mit dem Los nicht glücklicher als meine Kollegen; über solch eine Gruppe kann man sich nicht freuen.“[3] Am 28. Mai 2008 gab er den endgültigen Spielerkader für das Turnier bekannt. Frankreich schied mit lediglich einem erzielten Treffer und einem Punkt bereits am Ende der Vorrunde aus dem Turnier aus. Dabei kassierte Frankreich sechs Gegentore, mehr Gegentore fielen nur in der Gruppenphase der WM 1958, damals schoss Frankreich aber selber 11 Tore.
Die Saison 2008/09
Verlauf
F = Freundschaftsspiel, Q = EM-Qualifikationsspiel; Resultate stets aus französischer Sicht
Die weiteren WM-Qualifikationsspiele (Saison 2009/10):
Eingesetzte Spieler
e = eingewechselt, /1T = 1 Tor
Tor: Steve Mandanda (Marseille, 3)
Abwehr: Bacary Sagna (Arsenal, 3), William Gallas (Arsenal, 3), Patrice Evra (Manchester United, 2), Philippe Mexès (AS Rom, 2), Gaël Clichy (Arsenal, 1), Éric Abidal (FC Barcelona, 1)
Mittelfeld: Lassana Diarra (Portsmouth, 3), Jérémy Toulalan (Lyon, 3), Sidney Govou (Lyon, 3/3T), Yoann Gourcuff (Bordeaux, 1+2e), Alou Diarra (Bordeaux, 2e), Florent Malouda (Chelsea, 1), Samir Nasri (Arsenal, 1), Mathieu Flamini (AC Mailand, 1e)
Angriff: Thierry Henry (FC Barcelona, 3/1T), Karim Benzema (Lyon, 3/1T), Nicolas Anelka (Chelsea, 2e/1T)
Aktueller Kader
Der angegebene Kader umfasst die Nationalspieler, die im Aufgebot für das WM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien und das Freundschaftsspiel gegen Tunesien am 11.und 14. Oktober 2008 stehen. Jean-Alain Boumsong und Jimmy Briand stehen zusätzlich auf Abruf bereit.[4]
* Gallas fällt mindestens für das Rumänienspiel verletzungsbedingt aus.
Ausrüster
Seit 1972 war Adidas der Hauptausrüster der französischen Nationalmannschaften, der für dieses Recht bis Ende 2010 noch jährlich 10,5 Mio. € (zuzüglich Prämien) bezahlen wird. Ab 2011 tritt Nike an dessen Stelle und überweist dafür – zunächst bis 2018 – 42,66 Mio. € per annum an die FFF, wozu jeweils noch Ausrüstungsgegenstände im Wert von 2,5 Mio. € hinzukommen.[5]
Länderspiele gegen Fußball-Nationalmannschaften aus dem deutschsprachigen Raum
Offizielle Länderspiele
Eine chronologische Liste sämtlicher Länderspiele findet sich hier.
(Ergebnisse stets aus französischer Sicht)
Länderspiele gegen Deutschland
Anmerkung: 1899 gab es bereits zwei internationale Begegnungen gegen deutsche Auswahlmannschaften (Ur-Länderspiele), die aber von der FFF nicht als offizielle Länderspiele gezählt werden, unter anderem, weil diese von französischer Seite durch ein Vereinsteam (White Rovers) bzw. eine Pariser Stadtauswahl bestritten wurden.
Länderspiele gegen die DDR
Länderspiele gegen Luxemburg
Länderspiele gegen Österreich
Länderspiele gegen die Schweiz
Inoffizielle Länderspiele
Länderspiele gegen die A-Auswahl des Saarländischen Fußball-Bundes (SFB)
Für Frankreich trat stets die B-Nationalmannschaft an.
Länderspiele gegen die Bundesauswahl des Arbeiter-Turn- und Sportbundes (ATSB)
Für Frankreich trat ebenfalls eine Arbeitersport-Auswahlelf an.





