Dissident
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Der Begriff Dissident (von lat. dissidere „nicht übereinstimmen, getrennt sein, widersprechen“) bezeichnet einen Andersdenkenden.
Inhaltsverzeichnis
[Bearbeiten] Historisch
Der Begriff wurde 1573 in der Warschauer Konföderation für die Protestanten geprägt, die nicht der herrschenden Staatsreligion angehörten. Im 17. Jahrhundert fand er als „Dissenter“ Eingang nach England als Bezeichnung für protestantische Gruppen, die nicht zu einer Integration in die anglikanische Kirche bereit waren.
Im 18. Jahrhundert bezeichnet der Begriff diejenigen, die keiner anerkannte, ab dem 19. Jahrhundert jene, die keiner Religionsgemeinschaft angehörten. Auch die Mitglieder der deutschkatholischen Vereine, die sogenannten Deutschkatholiken, sowie die protestantischen Freien Gemeinden, die sogenannten Lichtfreunde, die sich 1856 mit den Deutschkatholiken zum Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands zusammenschlossen, wurden offiziell als Dissidenten bezeichnet. Üblich war der Begriff in Deutschland mindestens bis in die 1930er Jahre.
Auch eine aufklärerische Lehre wie die nicht nur als therapeutische Methode, sondern auch als allgemeine Kulturtheorie zu großem Einfluss gelangte Psychoanalyse hat ihre Dissidenten hervorgebracht, nachdem ihr Begründer, Sigmund Freud selbst längere Zeit als Dissident (der etablierten Psychiatrie) gegolten hatte.
[Bearbeiten] Zeitgenössisch
Der Begriff wurde vor allem zwischen 1970 und 1990 vorwiegend für oppositionelle Künstler und Intellektuelle (insbesondere Bürgerrechtler) der jeweils gegnerischen Seite in der Blockkonfrontation verwendet. Diese äußerten öffentlich Kritik an dem bestehenden System, wofür sie verfolgt und Repressionen durch den Staat ausgesetzt wurden. Vielen bekannten Dissidenten blieb daher nichts anderes übrig, als aus dem Land zu flüchten. Andere wurden von ihrem Staat in das Ausland abgeschoben (ausgewiesen), wo sie sich eine neue Existenz aufbauen mussten. Es sind auch Fälle bekannt, in denen Dissidenten zwangsweise jahrelang in die Psychiatrie eingewiesen wurden („Wer Kritik am System äußert, ist krank“).
Im weiteren Sinne kann jeder regierungskritische Intellektuelle als Dissident bezeichnet werden. So wird die Bezeichnung im englischen Sprachraum auch auf Noam Chomsky oder Michael Moore angewandt, obwohl sie nicht unter Repressionen zu leiden haben.
2005 waren weltweit 70 so genannte Internet-Dissidenten in Haft, im Jahr 2007 waren es nach Angaben der Nichtregierungsorganisation (NGO) Reporter ohne Grenzen bis einschließlich Oktober 64 Dissidenten.[1]

